Kranich-Herbstrast 2017 vor dem Saisonhöhepunkt

Gut 45.000 Kraniche wurden am vergangenen Montag an den Schlafgewässern in den Mooren der Region gezählt. Das ist schon ein ordentliche Zahl und man könnte sagen, da geht doch bestimmt noch was nach oben, wurden doch in den Vorjahren auch schon bis zu 100.000 dieser Großvögel in der Diepholzer Moorniederung gezählt. Aber es hängt nicht zuletzt auch von der Witterung ab, genauer gesagt von den vorherrschenden Windrichtungen zur Zugzeit, ob es zu einem Zugstau und somit zu einer besonders hohen Zahl rastender Vögel kommt oder nicht.

An diesem Wochenende wird wahrscheinlich die höchste Zahl rastender Kraniche in diesem Herbst in der Moorniederung festgestellt werden. Entsprechend günstig die Beobachtungsmöglichkeiten an den kommenden Tagen, wenn nicht Regen oder Nebel einen Strich durch die Rechnung machen.

Rastende Kraniche am südlichen Wietingsmoor
Rastende Kraniche am südlichen Wietingsmoor

„Nich lang schnacken, Kopp in‘ Nacken!“

Kraniche kündigen sich auch in der Luft durch ihre Rufe an, und so ist es nicht schwierig, die wunderschönen Flugkeile am Himmel zu entdecken. Daher dieser vielleicht aus feucht-fröhlichen Trinkgelagen übernommene Slogan des WDR-Wissenschaftsteams, den man auch so ausdrücken könnte: Genieße sie einfach, diese herrlichen Vögel am Himmel!

Dafür muss man als Nordrhein-Westfale nicht unbedingt bis zur Ostsee reisen. Die Kraniche ziehen in großer Zahl auf ihrer Westflugrute auch über NRW und rasten in der Diepholzer Moorniederung vor der eigenen Haustür, in diesem Jahr wurden bis zu 83.000 Vögel an den Mooren gezählt.

Zu den Rastplätzen an den Mooren kann man sich auch begleiten lassen. Verschiedene Institutionen wie der Naturpark Dümmer e.V. bieten Führungen an.

Hören Sie den Audio-Beitrag des WDR zum Kranichzug über NRW und in der Diepholzer Moorniederung …

www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/audio-kraniche-unterwegs-in-nrw-sind-die-zuege-gut-zu-sehen-100.html

Der Kranichzug in der Diepholzer Moorniederung, Jahr für Jahr ein imposantes Schauspiel (Foto vom 23.10.2016)

Der Kranichzug in der Diepholzer Moorniederung, Jahr für Jahr ein imposantes Schauspiel (Foto vom 23.10.2016).

März ist der Monat des Frühjahrszugs der Kraniche

Eilig haben es die Kraniche im Frühjahr, um in ihre skandinavischen und osteuropäischen Brutgebiete zu kommen. Sie halten sich daher nicht so lange in den Rastgebieten auf. Dennoch ist im März an einzelnen Tagen mit einem Rastbestand von bis zu 20.000 Kranichen in der Diepholzer Moorniederung und bis zu 10.000 am Wietingsmoor zu rechnen.

Einen Verlust von etwa 100 Kranichen und 3 Schwänen durch Vogelanflug an einer 220kV-Stromleitung Anfang von Mitte Dezember 2015 bis in den Januar 2016 meldete die Kranichschutz Deutschland GmbH aus dem Havelländischen Luch/Brandenburg (nördlich der Ortschaft Möthlow). Dies sei eine der folgenschwersten dokumentierten Kollisionen von Kranichen mit Hochspannungsleitungen in Deutschland gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Aus der Sicht der Kranichschutz Deutschland GmbH waren die vorhandenen Spiralmarkierungen mit großen Abständen nicht geeignet, das Kollisionsrisiko deutlich zu verringern. Stattdessen sei eine Markierung mit schwarz-weißen Blinkmarkierungen im Abstand von 5 bis 25 Metern an den Erdseilen zu empfehlen.

Den Brutbestand des Kranichs und der Graugans in Niedersachsen ermittelt in diesem Jahr die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung e.V. in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN.

Ruhige, winterliche Rastsituation: Kraniche und Saatgänse auf Grünland am Moor (Foto vom 03.02.2016).

Ruhige, winterliche Rastsituation: Kraniche und Saatgänse auf Grünland am Moor (Foto vom 03.02.2016).

Kranich-Herbstrast bereits am Höhepunkt

Knapp 54.000 rastende Kraniche meldete der BUND heute für die Region Diepholzer Moorniederung am vergangenen Wochenende. Ob die gleichzeitig im Gebiet rastenden Vögel noch weiter zunehmen, oder ob bereits jetzt der Höhepunkt erreicht ist, werden die nächtsten Zählungen ergeben. Fest steht: Die Nahrungssituation in der Moorniederung ist hervorragend. Nicht nur die späte Maisernte sorgt für einen üppig gedeckten Tisch, sondern auch die Eichen-Vollmast trägt ihren Teil dazu bei und wird im Spätherbst oder auch im Winter eine wichtige Äsung auch für die Kraniche sein.

Der NDR hat einen Ornithologen des BUND zum Zählen der Vögel auch am Hochmoorweg in Wagenfeld-Ströhen begleitet. Sehen Sie den Beitrag von „Hallo Niedersachsen“ auf der Homepage des NDR …

www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Herbstexperten-Kranichbeobachter,hallonds29526.html

Kraniche sammeln sich hier auf dem Hochmoorgrünland im Wietingsmoor, bevor sie zu den Schlafgewässern fliegen (Foto vom 19.10.2015).

Kraniche sammeln sich hier auf dem Hochmoorgrünland im Wietingsmoor, bevor sie zu den Schlafgewässern fliegen (Foto vom 19.10.2015).

Gänse- und Kranichherbst 2015 in der Diepholzer Moorniederung: Es „brummt“ schon wieder im Gebiet

28.000 Kraniche wurden am 11./12.10.2015 in der Region gezählt und auch die Zahlen der Saat- und Blessgänse nehmen derzeit täglich zu. Zu diesem noch recht frühen Zeitpunkt ist also schon allerhand los im Gebiet und ein Besuch dürfte sich bei guter Sicht und gutem Wetter lohnen. Die Rastbestände werden bis zur zweiten Novemberwoche voraussichtlich noch weiter anschwellen. Hinzu kommen dann auch noch die Sing- und Zwergschwäne.

Saatgänse werden in verschiedene Rassen der Wald- und Tundrasaatgänse unterschieden. Die Brutgebiete liegen im Norden Eurasiens von Skandinavien bis Sibirien. Am Wietingsmoor nehmen die Rast- und Überwinterungsbestände seit Jahren zu. Wie die Kraniche betreiben sie Nachlese auf abgeernteten Maisfeldern (wie auf diesem Foto vom Wietingsmoor-Westrand). Auf frischen Saaten gehen sie manchmal allerdings auch zu Schaden. Deshalb sieht sie nicht jeder Landwirt gerne.

Saatgänse werden in verschiedene Rassen der Wald- und Tundrasaatgänse unterschieden. Die Brutgebiete liegen im Norden Eurasiens von Skandinavien bis Sibirien. Am Wietingsmoor nehmen die Rast- und Überwinterungsbestände seit Jahren zu. Wie die Kraniche betreiben sie Nachlese auf abgeernteten Maisfeldern (wie auf diesem Foto vom Wietingsmoor-Westrand). Auf frischen Saaten gehen sie manchmal allerdings auch zu Schaden. Deshalb sieht sie nicht jeder Landwirt gerne.

Kranich-Frühjahrszug hat begonnen

Erste Kraniche trafen an diesem Wochenende auf Ihrem Frühjahrszug in Richtung Nord-Ost in der Diepholzer Moorniederung ein oder zogen gleich (auch nachts) weiter. Wie die ersten Moorschnucken-Lämmer sind sie Boten des nahenden Frühlings. Zur Zeit ist der Eindruck in der Region mit Tagestemperaturen wenig über dem Gefrierpunkt aber noch winterlich. In der Vogelwelt prägen die typischen Wintergäste Kornweihe, Saatgans, Sing- und Zwergschwan, Wacholderdrossel, Sumpfohreule, aber auch Kranich das Bild im und am Wietingsmoor. Sobald die Temperaturen spürbar ansteigen, ist mit dem Durchzug Zigtausender Kiebitze zu rechnen. Mit ihnen und dem Eintreffen auch anderer Zugvögel räumen die Wintergäste ab Ende Februar und im März dann das Feld. Etwa Mitte März besetzen die Kraniche ihre Brutreviere.

Ein duettrufendes Kranichpaar in einem Rasttrupp am Wietingsmoor am 15.02.2015

Ein duettrufendes Kranichpaar in einem Rasttrupp am Wietingsmoor am 15.02.2015.

Erste Lämmer läuten in den Moorschäfereien eine arbeitsreiche Zeit ein. (Foto vom 13.02.2013)

Erste Lämmer läuten in den Moorschäfereien eine arbeitsreiche Zeit ein. (Foto vom 13.02.2013)

Stare, Kiebitze und Goldregenpfeifer lassen noch auf sich warten

Nach dem Abzug des Großteils überwinternder Kraniche in Richtung Nordost sind es immer noch gut 2400 dieser Großvögel (Zählung vom 09./10.02.), die zusammen mit den nordischen Schwänen sowie unzähligen Saat- und Blessgänsen den Eindruck in den Hochmooren der Region prägen. Trotz der nun anhaltend milden Witterung haben sich bislang noch wenige Frühlingsboten wie Feldlerchen, Stare, Kiebitze oder Goldregenpfeifer eingefunden.

Foto: Kraniche am Wietingsmoor, Foto vom 13.02.2014.

Foto: Kraniche am Wietingsmoor, Foto vom 13.02.2014.

Kranichland Niedersachsen

Ausschnitt eines etwa 1000-köpfigen Kranichtrupps am Großen Uchter Moor bei Warmsen (Landkreis Nienburg) im Herbst 2009. Typisch: Nahrungsuche auf einem Maisacker.

Ausschnitt eines etwa 1000-köpfigen Kranichtrupps am Großen Uchter Moor bei Warmsen (Landkreis Nienburg) im Herbst 2009. Typisch: Nahrungsuche auf einem Maisacker.

Niedersachsen hat sich zum Kranichland entwickelt. Seit den 1970er Jahren ist der Brutbestand dieser Vogelart von 8 auf 450 Paare angewachsen, was 8% der deutschen Brutpopulation entspricht. Der Kranich konnte somit in Niedersachsen aus der „Roten Liste“ der bestandsbedrohten Vogelarten entlassen werden.

Zusätzlich hat in diesem Bundesland das Rastgeschehen in den letzten 10 Jahren enorm zugenommen. Zeitgleich hielten sich manchmal 20%, an einzelnen Herbsttagen wahrscheinlich bis zu 40% der westeuropäischen Population in den Rastgebieten mit ihren Schlafgewässern auf.

Wichtige Rastplätze in Niedersachsen sind u.a. das Lange Moor (Landkreis Cuxhaven), das Huvenhoopsmoor in der Teufelsmoorniederung (Landkreise Rotenburg, Osterholz und Verden), das Tister Bauernmoor (Landkreis Rotenburg), die Diepholzer Moorniederung (Landkreise Diepholz, Vechta, Nienburg, Kreis Minden-Lübbecke), das Lichtenmoor (Landkreis Nienburg) und das Ostenholzer Moor (Landkreis Soltau-Fallingbostel). In niedersächsischen Moorgebieten wurden in den letzten 20 bis 30 Jahren umfangreiche Wiedervernässungs- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Sie werden zusammen mit der Zunahme des Maisanbaus um die Moore als ausschlaggebend für diese erfreuliche Entwicklung angesehen.

Schlafplätze der Kraniche und Gänse für weidgerechte Jäger tabu

Bläss- und Saatgänse im Anflug auf eine Ackerfläche am Moorrand. Ihre Bejagung sehen betroffene Landwirte als notwendig an. Sie lässt aber so manchem Gänsefreund die Halsschlagadern anschwellen, insbesondere, wenn sie an den Schlafplätzen erfolgt.

Bläss- und Saatgänse im Anflug auf eine Ackerfläche am Moorrand. Ihre Bejagung sehen betroffene Landwirte als notwendig an. Sie lässt aber so manchem Gänsefreund die Halsschlagadern anschwellen, insbesondere, wenn sie an den Schlafplätzen erfolgt.

Immer wieder kommt es vor, dass an den Schlafplätzen der Gänse, die häufig auch von Kranichen zum Übernachten genutzt werden, Jagd auf Gänse gemacht wird, und das selbst in Naturschutzgebieten. Nachdem Schäden durch Gänse deutlich zugenommen haben, dürfen in Niedersachsen seit 2008 auch Saat- und Blässgänse bejagt werden, was manchem ein Dorn im Auge ist.

Vogelschützer rechnen damit, dass bei der Jagd an den Schlafgewässern auch geschützte Gänsearten wie Zwerg-, Ringel-, Rothals- oder Nonnengänse erlegt werden, da die Jagd in der Dämmerung stattfindet und die unterschiedlichen Arten auch für versierte Beobachter nicht zu unterscheiden sind. Die Jagd an Schlafgewässern führt so zu einer erheblichen Beunruhigung der Vogelmassen, also auch z.B. der Kraniche, die hier absolut unerwünscht ist.

Aufgrund der Empfehlungen für Jäger des Wildgänse-Management für Sachsen soll die Jagd grundsätzlich an „Schadflächen mit dem Ziel der Vergrämung“ erfolgen. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) hat 1998 eine „Resolution zu Management von Wildgänsen“ herausgegeben, die eine Jagd an Schlafgewässern eindeutig ablehnt: „Einvernehmlich zwischen Grundeigentum, Landwirtschaft, Naturschutz und Jagdausübungsberechtigten sind Ablenkfutterflächen und ausgewählte Schlafgewässer als Ruhezonen auszuweisen. Diese Ruhezonen dürfen während der Anwesenheit der Gänse nicht bejagt werden.“

Dennoch kommt es vor, dass sich Jäger nicht an diese Empfehlungen halten, so z.B. auch in Sachsen, wo der NABU-Landesverband sogar dazu aufgerufen hat, die Bejagung der Schlafplätze zu dokumentieren und an den NABU zu melden.

Rostgänse (Tadorna ferruginea) im Anflug auf eine Leegmoorfläche im Wietingsmoor. Als Neozoen begrüßt nicht jeder die Ausbreitung dieser Art bei uns, die ursprünglich in Asien beheimatet war. Sie hat in Niedersachsen keine Jagdzeit und kann durch Verwechslung mit anderen Gänsearten an den Schlafplätzen erlegt werden, wenn die Jagd hier erfolgen würde.

Rostgänse (Tadorna ferruginea) im Anflug auf eine Leegmoorfläche im Wietingsmoor. Als Neozoen begrüßt nicht jeder die Ausbreitung dieser Art bei uns, die ursprünglich in Asien beheimatet war. Sie hat in Niedersachsen keine Jagdzeit und kann durch Verwechslung mit anderen Gänsearten an den Schlafplätzen erlegt werden, wenn die Jagd hier erfolgen würde.

Übrigens weist der Ornithologe Dr. Einhard Bezzel in der Ausgabe 10/2009 des Jägermagazins darauf hin, die Wildgans-Bestände seien in den letzten 30 Jahren zwar angewachsen und bei Saat- und Blässgänsen z.Zt. leidlich stabil, bei diesem Prozess habe es sich aber um eine Erholung von einem Tiefpunkt gehandelt. Aufgrund vieler, negativ auf die Gänsebestände wirkender Faktoren sei die Zukunft der nordischen Gänse aber keinesfalls gesichert. Nur sorgfältige Untersuchungen in großem Stil könnten verhindern, dass sich ein Jahrhundert mit katastrophalem Besatzeinbruch wiederholt.

Mehr lesen Sie über die „DJV-Resolution zum Management von Wildgänsen“ bei jagd-online.de …

www.jagd-online.de/ueberdendjv/positionen/?meta_id=23

Über Auseinandersetzungen zu diesem Thema in Sachsen lesen Sie den Artikel „Gänsestreit im Neuseenland“ in der Deutschen Jagdzeitung, Ausgabe 1/2007 …

http://www.djz.de/r30/vc_content/bilder/firma447/020_029_gaense_djz.pdf