Kranich-Herbstrast 2017 vor dem Saisonhöhepunkt

Gut 45.000 Kraniche wurden am vergangenen Montag an den Schlafgewässern in den Mooren der Region gezählt. Das ist schon ein ordentliche Zahl und man könnte sagen, da geht doch bestimmt noch was nach oben, wurden doch in den Vorjahren auch schon bis zu 100.000 dieser Großvögel in der Diepholzer Moorniederung gezählt. Aber es hängt nicht zuletzt auch von der Witterung ab, genauer gesagt von den vorherrschenden Windrichtungen zur Zugzeit, ob es zu einem Zugstau und somit zu einer besonders hohen Zahl rastender Vögel kommt oder nicht.

An diesem Wochenende wird wahrscheinlich die höchste Zahl rastender Kraniche in diesem Herbst in der Moorniederung festgestellt werden. Entsprechend günstig die Beobachtungsmöglichkeiten an den kommenden Tagen, wenn nicht Regen oder Nebel einen Strich durch die Rechnung machen.

Rastende Kraniche am südlichen Wietingsmoor
Rastende Kraniche am südlichen Wietingsmoor

März ist der Monat des Frühjahrszugs der Kraniche

Eilig haben es die Kraniche im Frühjahr, um in ihre skandinavischen und osteuropäischen Brutgebiete zu kommen. Sie halten sich daher nicht so lange in den Rastgebieten auf. Dennoch ist im März an einzelnen Tagen mit einem Rastbestand von bis zu 20.000 Kranichen in der Diepholzer Moorniederung und bis zu 10.000 am Wietingsmoor zu rechnen.

Einen Verlust von etwa 100 Kranichen und 3 Schwänen durch Vogelanflug an einer 220kV-Stromleitung Anfang von Mitte Dezember 2015 bis in den Januar 2016 meldete die Kranichschutz Deutschland GmbH aus dem Havelländischen Luch/Brandenburg (nördlich der Ortschaft Möthlow). Dies sei eine der folgenschwersten dokumentierten Kollisionen von Kranichen mit Hochspannungsleitungen in Deutschland gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Aus der Sicht der Kranichschutz Deutschland GmbH waren die vorhandenen Spiralmarkierungen mit großen Abständen nicht geeignet, das Kollisionsrisiko deutlich zu verringern. Stattdessen sei eine Markierung mit schwarz-weißen Blinkmarkierungen im Abstand von 5 bis 25 Metern an den Erdseilen zu empfehlen.

Den Brutbestand des Kranichs und der Graugans in Niedersachsen ermittelt in diesem Jahr die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung e.V. in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN.

Ruhige, winterliche Rastsituation: Kraniche und Saatgänse auf Grünland am Moor (Foto vom 03.02.2016).

Ruhige, winterliche Rastsituation: Kraniche und Saatgänse auf Grünland am Moor (Foto vom 03.02.2016).

Kranich-Frühjahrszug hat begonnen

Erste Kraniche trafen an diesem Wochenende auf Ihrem Frühjahrszug in Richtung Nord-Ost in der Diepholzer Moorniederung ein oder zogen gleich (auch nachts) weiter. Wie die ersten Moorschnucken-Lämmer sind sie Boten des nahenden Frühlings. Zur Zeit ist der Eindruck in der Region mit Tagestemperaturen wenig über dem Gefrierpunkt aber noch winterlich. In der Vogelwelt prägen die typischen Wintergäste Kornweihe, Saatgans, Sing- und Zwergschwan, Wacholderdrossel, Sumpfohreule, aber auch Kranich das Bild im und am Wietingsmoor. Sobald die Temperaturen spürbar ansteigen, ist mit dem Durchzug Zigtausender Kiebitze zu rechnen. Mit ihnen und dem Eintreffen auch anderer Zugvögel räumen die Wintergäste ab Ende Februar und im März dann das Feld. Etwa Mitte März besetzen die Kraniche ihre Brutreviere.

Ein duettrufendes Kranichpaar in einem Rasttrupp am Wietingsmoor am 15.02.2015

Ein duettrufendes Kranichpaar in einem Rasttrupp am Wietingsmoor am 15.02.2015.

Erste Lämmer läuten in den Moorschäfereien eine arbeitsreiche Zeit ein. (Foto vom 13.02.2013)

Erste Lämmer läuten in den Moorschäfereien eine arbeitsreiche Zeit ein. (Foto vom 13.02.2013)

Neuer Kranich-Rastrekord in der Diepholzer Moorniederung

104.000 Kraniche wurden am 02./03.11. bei Synchronzählung des BUND an den Schlafplätzen in der Diepholzer Moorniederung beobachtet. Für die Regionen Nordwestdeutschland dürfte das die höchste jemals ermittelte Zahl sein. Saat- und Blessgänse rasten ebenfalls in großer Zahl. Nach zwei bis drei regnerischen Tagen wird voraussichtlich auch wieder gutes Wetter das Erlebnis “Herbstrast der Kraniche und Gänse” begünstigen.

Eindrücke von der Kranich-Herbstrast 2014 am Wietingsmoor am Horizont, …

… auf dem Acker und …

… am Schlafplatz im Hochmoor.

Wie werden die rastenden Kraniche gezählt?

Immer wieder wird diese Frage gestellt. Dennis Leiffels von Radio Bremen wollte es im vergangenen Herbst auch wissen und schaute Kerrin Lehn, Landschaftsökologin vom BUND, an ihrem Zählplatz bei Deckertau im mittleren Wietingsmoor über die Schulter. Sie zeigt, wie man anhand einiger kleiner Hilfsmittel einen zahlenmäßigen Überblick über die zu Tausenden in der Abenddämmerung im Moor einfallenden Kraniche bekommen kann.

Rastende Kraniche werden zum Sammeln wissenschaftlicher Daten gezählt. Die Zahlen geben Aufschluss über die Entwicklung der Population, Veränderungen des Zugverhaltens, Annahme von Nahrungsflächen und Schlafgewässern, Störungen durch verschiedene Nutzungen u.v.m. und bilden so auch eine Grundlage für Schutzbemühungen.