Raubwürger
Raubwürger (Lanius excubitor) sind unwesentlich kleiner als Amseln und typische Bewohner der Offenlandschaft. Sie zählen zu den Singvögeln, sind aber auch richtige kleine Raubvögel.
Das Brutgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens, Nordafrikas sowie Nordkanadas und Alaskas.
In Deutschland ist die Art allerdings sehr selten. Der Brutbestand wurde Anfang der 1980er Jahre für die alten Bundesländer mit 1300 bis 1500 Paaren geschätzt (BEZZEL 1983). Da seither ein drastischer Bestandsrückgang festgestellt wurde, wird dieser Wert vermutlich selbst im gesamten wiedervereinigten Deutschland nicht mehr erreicht.
Als Brutvogel ist mit dem Raubwürger in großräumigen, extensiv genutzten Landschaften mit Einzelbäumen und Ödlandanteil zu rechnen, wie z.B. Moore, Heiden, Truppenübungsplätze, Huteflächen in Mittelgebirgen u.ä.
Raubwürgerhabitate im Wietingsmoor
Im Wietingsmoor werden die recht großen Brutreviere in besten, strukturreichen Bereichen ausgewählt: Ein kleinräumiger Wechsel aus Moor- und Sandheiden, Grünland und Sandwegen durchsetzt mit Einzelbäumen behagt ihnen besonders. Vermutlich aufgrund des Einflusses von Rabenkrähen werden zentrale Hochmoorflächen mit Einzelbäumen bevorzugt. Randbereiche werden aber im Jahresverlauf auch genutzt.
 |
Beispielbiotop 1 im Wietingsmoor: Offene Hochmoorflächen in „heiler Haut“, d.h. nicht abgetorft. Hochmoorgrünland und sowie ein Sandweg grenzen an diese Fläche unmittelbar an. Bild vergrößern (55 KB) |
 |
Beispielbiotop 2: Sehr ähnliche Flächen am Buschmeer. Bild vergrößern (56 KB) |
 |
Neben Birken werden - wie auf diesem Foto - sehr gerne Kiefern als Ansitzwarte genutzt. Abgestorbene Bäume werden besonders häufig angeflogen. Bild vergrößern (52 KB) |
 |
Wie groß ist der Einfluss anwesender Rabenkrähen auf den Bruterfolg der Raubwürger im Hochmoor? An diesem Raubwürger-Neststandort brüteten im Jahr 2006 Rabenkrähen in unmittelbarer Nähe und das Nest wurde ausgeraubt. 2007 war das Rabenkrähenrevier nicht besetzt und es wurden mindestens 5 junge Raubwürger in diesem Nest aufgezogen ... Bild vergrößern (56 KB) |
Quelle der Audiodatei: www.storchenverein.de
|
 Zeichnung: Johanna Gödecke Eine 30g schwere Wühlmaus zu tragen ist für den Raubwürger, der selbst nur 60 bis 80g wiegt, auch über längere Strecken kein Problem. Er ist sogar in der Lage, Schwalben zu schlagen (GLUTZ 1993).
 Aufgespießte Mooreidechse Das Nahrungsspektrum der Raubwürger ist sehr breit und reicht von Großinsekten, kleinen Reptilien bis zu Mäusen, kleinen Singvögeln und selten Beeren (z.B. vom Weißdorn). Singvögel werden meist durch einen Überraschungsangriff, selten durch eine Ermüdungsjagd überwältigt. Wie alle Würgerarten betreiben sie Vorratshaltung: Bei gutem Nahrungsangebot wird ein Teil der Beutetiere aufgespießt und erst in den nächsten Tagen verzehrt. |