Thema des Monats
Bleifreie Munition - Stein des Weisen beim Greifvogelschutz?
"Norddeutsche Jäger schießen bleifrei", hieß es in der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblattes vom 20.03.08. Erste Versuche eines auf drei Jahre angelegten Großversuches in vier Bundesländern mit bleifreier Jagdmunition seien erfolgreich verlaufen, wurde hier mit Bezug auf den Leiter der Oberen Jagdbehörde in Schleswig-Holstein, Johann Böhling, berichtet. Doch warum überhaupt bleifrei Schießen?
Die Reste bleihaltiger Jagdmunition in Aufbrüchen und beschossenen Wildtieren stellen nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin, eine der wichtigsten Quellen für Bleivergiftungen bei Greifvögeln dar. Nach Röntgen- und Mageninhaltsanalysen von 218 Seeadlern hat das Institut in 27 Fällen Metallsplitter aus Teilmantelgeschossen oder Schrote gefunden. Verschiedene Greifvögel nehmen besonders im Winterhalbjahr viel Aas auf. Der saure Magensaft besonders des Seeadlers könne Geschossblei auflösen und toxisch werden lassen. Daher wird die Verwendung von Alternativmunition als wichtiger Beitrag der Jägerschaft zur nachhaltigen Nutzung in einem Faltblatt empfohlen.

"Normale" Jagdmunition und Alternativen v.l.n.r.:
1. Brenneke TIG, ein aufpilzendes, nicht splitterndes Blei-Büchsengeschoss mit Kupfermantel
2. Barnes XLC, ein bleifreies Kupfer-Büchsengeschoss
3. Geco Jagd 36, eine Beischrotpatrone
4. Steel Game HV, eine bleifreie Weicheisenschrotpatrone
Bei tot aufgefundenen jungen Seeadlern sei eher eine Vergiftung durch umweltbelastete Fische zu vermuten als durch Bleisplitter, schreibt Dr. Hans-Peter Tschapka in der österreichischen Jagdzeitschrift St. Hubertus. Da selbst fünfzigprozentige Salzsäure Blei nicht anlöse, sei der Magen von Seeadlern erst recht nicht dazu in der Lage. Außerdem reiche die Verweildauer im Körper dafür bei weitem nicht aus.
Es sei schwer vorstellbar, dass Seeadler eine "schärfere" Magensäure haben als Steinadler. Im Alpengebiet seien jedenfalls keine vergifteten Adler gefunden worden, obwohl hier den Greifvögeln ebenfalls Wildaufbrüche zur Verfügung stehen. Auch Steinadler nehmen Aas auf.
"Das Problem bleifreier Munition darf nicht ideologisch, sondern muss rein sachlich betrachtet werden", fordert die Firma Brenneke als Hersteller jagdlicher Munition in einem Argumentationskatalog vom 29.05.05.
Zumindest bei alternativer Büchsenmunition scheinen die guten Erfahrungen Herrn Böhlings eine breite Basis zu haben. Bei Flintenmunition muss man zwei Nummern größer wählen, um die gleiche Durchschlagskraft der Bleischrote zu erreichen (d.h. 3,25 mm-Weicheisenschrot entspricht in der Wirkung 2,7mm-Bleischrot). Mit zunehmender Größe nimmt aber die Deckung ab, da einfach weniger Schrote in der Patrone enthalten sind. Somit wird die Schockwirkung einer Weicheisen-Schrotpatrone wohl kaum jemals an die einer Bleischrotpatrone mit gleichem Gasdruck heranreichen.

Ein Mäusebussard an einem Verkehrsopfer. Durch Aas können Greifvögel u.U. Munitionsreste aufnehmen.
Zum Faltblatt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ...
http://www.seeadlerforschung.de/downloads/faltblatt-bleivergiftungen.pdf 
Zum Artikel in der Jagdzeitschrift St. Hubertus ...
http://www.st-hubertus.at/?id=2500%2C1013500%2C%2C 
Nicht jede alte Flinte eignet sich zum Verschießen jeglicher bleifreier Schrotmunition. Lesen Sie hierzu und zu einigen anderen Aspekten einen Artikel von Gregor Schmidt-Colberg in der Deutschen Jagdzeitung ...
http://www.djz.de/447,626/ 
24.01.2009
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Zum Schutz gründelnder Enten wie diese seltene Schnatterente (Anas strepera) wurde die Verwendung von Bleischroten in Gewässernähe weithin verboten. Ob allerdings aufgenommene Bleischrote für Enten wirklich gefährlich sind, ist umstritten. Schnatterenten und einige andere geschützte Entenarten können bei der Jagd leicht mit den bejagbaren Entenarten verwechselt werden. Das ist aber unabhängig von der Art der Jagdmunition. |